Roadtrip Tag 5-7: El Chaltén oder that’s Patagonia

19-21/11/2018 – 260 km

Die Nacht war ein bisschen ungemütlich. Der Sturm hat ums Auto gepfiffen und uns etwas durchgeschüttelt, konnten aber trotzdem ganz gut schlafen bis zum Sonnenaufgang.

Geweckt von der aufgehenden Sonne

Nur die Füße waren mit der Zeit etwas kalt.Zum Glück haben wir noch Tee in der Chilly Bottle Thermoskanne. Der bleibt darin tatsächlich für über 24 h warm, super praktisch. Nach dem Aufwärmtee machen uns auf den Weg Richtung El Chaltén. An einem kleinen Fluss machen wir dann Frühsstückspause im Auto mit Müsli aus der Tasse, da unserer Tupperschüssel immernoch etwas nach Knoblauch vom Salat von gestern riecht.

Am Straßenrand steht wieder so ein kleiner Gauchito Gil Schrein. Diese kleine Schreine mit roten Fahnen sieht man oft in Argentinien am Rand von Landstraßen.

Frühstück bei Gauchito Gil

Gauchito Gil war Antonio Mamerto Gil Núñez aus der Provinz Corrientes (1840-1878) und ist ein populärer Volksheiliger in Argentinien. Er gilt als ein Patron von Auto-, Bus- und Lastwagenfahrern. Daher ist es üblich, zu hupen, wenn man an einem Schrein vorbeifährt, um Gauchito Gil damit zu grüßen. Im Gegenzug hofft man auf eine unbeschwerliche und unfallfreie Reise. An der Tres Lagos Tankstelle, legen wir noch einen kurzen WC Stop ein (Sicherheit geht vor). Leider arbeitet heute nicht die nette Frau von gestern,  sondern ein völlig unmotivierter Typ mit argentinischer Datschkappe, der lieber seinen Matetee schlürft, als sich mit Kundschaft zu beschäftigen.

Als wir den den Lago Viedma erreichen, sehen wir den ersten Gletscher und viele Eisberge, die im See rumschwimmen. Sehr cool! Der Cerro Fitz Roy und der Cerro Torre, die man von hier auch sehen kann, lassen sich leider nicht blicken. Der Himmel ist wolkenverhangen, es regnet und es bläst (oh Wunder) ein ordentlicher Wind. Mmmhh, das ist ja nicht so unser Wanderwetter. In El Chaltén angekommen, machen wir kurz Stop am Nationalpark Büro am Ortseingang und holen uns Tips und eine Wanderkarte ab. Als wir nach dem Wetter fragen, meint der Ranger, heute Regen und Wind, morgen tendenziell noch schlechter, aber Mittwoch könnte es besser sein oder auch nicht. „That’s Patagonia“ meint er grinsend.

El Chaltén ist eine kleines, nettes Städtchen, das es erst seit 1985 gibt, und das als die Trekkinghauptstadt Argentiniens gilt. Hier kann man rund um das Fitz Roy Massiv tolle Wander- und Trekkingtouren machen und der ganze Ort ist auf die Trekkingtouristen aus aller Welt eingerichtet. Trotz der vielen Unterkünfte konnten wir kein Zimmer (in unserer Preisklasse) mehr für zwei Tage am Stück buchen. Obwohl noch Nebensaison ist, hätte man wohl schon Wochen vorher reservieren müssen. Ich sag nur, that’s Patagonia…. Ein Tag ist man völlig alleine in der Wildnis, am nächsten mitten im Touritrubel.
Wir beziehen für heute eine hübsche Cabana und machen es uns mit einem Tee gemütlich, das Wetter ist wirklich usselig. Fünf Grad, Sturm und Regen. Abends kochen wir Gemüsesuppe mit den Zutaten, die ich in den etwas spärlich bestückten Läden gefunden habe. Leider ist das Wetter am nächsten Tag tatsächlich noch schlechter. Ein paar unverdrossene, in Goretex verpackte Wanderer machen sich trotzdem auf den Weg. Im strömenden Regen loslaufen, nee danke, da sind wir raus.

Wir fahren (im warmen und trockenen Auto) bis zum Lago del Desierto am Ende des Tals. Ganz schön hier, auch wenn es die ganze Zeit schüttet. Der See ist  aufgewühlt und hohe Wellen klatschen ans Ufer. Eigentlich kann man hier ja eine schöne Bootstour machen…. eher nix für heute.

Zurück im Ort beziehen wir unsere neue Bleibe und nutzen das große Hostelzimmer für ein Workout. Fahren noch kurz zur “Tankstelle” am Ortsrand. Nicht dass wir morgen nach der Wanderung noch Schlange stehen müssen oder der Sprit alle ist oder, oder…..

Auch ne Variante – eine Hochseecontainer-Tanke

Überraschenderweise ist hier der Diesel billiger als anderswo. Muss man nicht verstehen.

Abends essen wir gemütlich im “La Tapera”, einem hübschen, rustikalen Restaurant in einem Blockhaus. Ralph probiert Cazuela, ein Schmorgericht mit Fleisch, typisch für Argentinien und Chile. Das ist sehr lecker, aber er schielt trotzdem etwas neidisch auf die riesigen Rindersteaks auf den benachbarten Tellern.

 

Als wir morgens aus dem Fenster schauen, sieht der Himmel ein bisschen freundlicher aus und es ist trocken.

Endlich mal zu sehen – der Cerro Fitz Roy!

Man kann schon vom Ort den Fitz Roy sehen und wir machen uns vom Parkplatz am Ortsende (mit sehr vielen anderen) auf zum Mirador de Cerro Fitz Roy. Das “steile” Stück aus dem Tal raus entpuppt sich als gar nicht so wild und wir kommen gut voran – und damit auch etwas von den Massen weg. Der Weg führt primär durch Wald, es bieten sich immer wieder schöne Ausblicke runter ins Tal oder auch schon auf das Fitz Roy Massiv. Am “richtigen” Mirador hat man allerdings das erste Mal die Chance die ganze Bergkette zu sehen – wenn denn die Wolken mitspielen. Tun sie leider nicht – es ist immer ein Gipfel in den Wolken. Und der Berg scheint auch Wolken aus dem Nichts zu generieren, nur um uns zu ärgern 😉 . Nach ca. 20 min Warten und Hoffen wird es uns zu kalt und wir laufen weiter. An der Laguna Capri machen wir kurz Halt, auch von hier ist der Fitz Roy nur teilweise zu sehen.

Entscheiden uns, nicht zum bekannten Aussichtspunkt Tres Lagos hochzusteigen, sondern durchs Tal zum zweiten “Highlight” des Parks zu laufen – dem Cerro Torre. Auf dem Weg ist auch deutlich weniger los. Bei einer weiteren kurzen Pause haben wir nochmal recht gute Sicht auf den Fitz Roy.

Es geht erst an weiteren Lagunen entlang und dann durch einen “Zauberwald”. Ganz bis zur Laguna vor dem Torre schaffen wir es zeitlich und auch konditionell nicht, aber zu einem schönen Aussichtspunkt – aber auch hier sind die Spitzen des sehr speziell aussehenden Bergs immer mehr oder weniger in den Wolken. Auf dem Rückweg nach El Chalten kommen wir unverhofft noch an einer Stelle vorbei, von der man tatsächlich die ganze Park-Bergkette sehen kann. Hier spielt sogar das Wetter  einigermassen mit und gibt die imposanten Gipfel weitestgehend frei – zumindest abwechselnd 😉 .

Zurück im Ort, stillen wir den Bärenhunger nach der 23 km langen Wanderung mit Pulled Pork Sandwich und Kuchen und machen uns dann auf den Weg nach Calafate.

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