Abenteuer Bolivien – Santa Cruz und der Kaa Iya Nationalpark

19-24/10/2018

Nach den zwei sehr enstpannten Tagen in Coroico geht’s für uns weiter in den Südosten Boliviens nach Santa Cruz de la Sierra.

Ein nicht verwackeltes Bild von der rasanten Fahrt

Erstes Abenteuer, die Anreise dorthin. In Coroico entscheiden wir uns für den schnellen Minivan nach La Paz, um dort etwas mehr Puffer zu haben.Der fährt auch direkt los – und schnell war nicht übertrieben. Der Fahrer will entweder einen neuen Rekord aufstellen oder ist mit Ayrton Senna verwandt. Er nimmt mit hohem Tempo gerne die Ideallinie, egal, ob er was sieht oder nicht…. Gut, dass die Strasse diesmal ja primär bergauf führt, da sind die Bremswege kürzer. Auch das Wetter ist viel besser als auf der Hinfahrt, und so geniessen wir lieber die spektakuläre Aussicht auf die alte Death Road, die Yungas, die Anden und in die Schluchten, als zu schauen, was da so vor uns auf der Strasse passiert. Nach anderthalbstunden sind wir ohne Unfall in La Paz und froh, das Ganze überlebt zu haben. In La Paz haben wir noch Zeit für eine kleine Stadttour und ein leckeres Essen im Cafe del Mundo.

Der Bus des Grauens

Dann geht’s mit Trans Copacabana Bus ins nächste Abenteuer, 18 Stunden Busfahrt über Nacht von den Anden in die Tropen. Aus den 18 Stunden werden dann 20, davon ab morgens 6 Stunden bei 35 Grad ohne Klimaanlage. Wir sitzen oben in der ersten Reihe mit Panoramafenster. Tolle Aussicht und voll in der Sonne. Yeah! Die letzten 2 Stunden werden wir zusätzlich noch von zwei Typen in penetranter Lautstärke vollgequatscht, die Nahrungsergänzungsmittel verkaufen wollen und dabei Bibelsprüche zitieren ….. Hilfe! Wir kommen uns vor wie auf einer Kaffeefahrt im Saunabus. Ziemlich gerädert kommen wir in Santa Cruz, der größten Stadt Boliviens an. Der Busbahnhof ist nicht sehr vertrauenserweckend, aber der Rest der Stadt sieht recht modern und sauber aus. Die Innenstadt ist hübsch, wirkt aber ein bisschen verschlafen. Zum Glück finden wir ein Eiscafé mit italienischer Kaffeemaschine. Der Kaffee ist nach der Fahrt auch nötig! Abends widmen wir uns auf der Dachterasse des Hostels mal wieder dem Blog und genießen den warmen Abend.

Am nächsten Morgen werden wir von Nick am Hostel für das nächste Abenteuer abgeholt. Er ist der Besitzer von Nick’s Adventures  und kommt ursprünglich aus Australien. Mit ihm sind wir die nächsten drei Tage im Kaa Iya Nationalpark unterwegs auf der Suche nach Großkatzen und anderen Tieren. Er bietet diese besonderen Touren in den völlig untouristischen Park an, der zur Gran Chaco Region gehört. Es ist der größte Nationalpark Boliviens und gilt als eine der letzten unberührten Busch- und Trockenwaldregionen. Die Tour machen wir zusammen mit Nicolas und Susanna, einem sehr netten französisch-mexikanischen Paar. Glück gehabt, schließlich sind wir die nächsten 3 Tage in einem Auto zusammen gepfercht.

Jesuitenkirche

Nach 3 Stunden Fahrt erreichen wir San José de Chiqiutos, eine kleinen Stadt, bekannt für seine Jesuiten Missionskirche. Nach einem Lunchstop bei gefühlten 40 Grad geht’s weiter Richtung Kaa Iya Nationalpark. Die Weg zum Park führt über eine Hügelkette mit grünem Dschungel und dunkelroten Dirtroads. Das erinnert uns ein bisschen an Australien. Der Park selber ist durch Gates geschützt. Hier besteht die Vegetation aus trockenen, dorningen Büschen und Bäumen und riesigen Kakteen und erinnert eher an Afrika als an Südamerika. Da eine Gaspipeline durch den Park führt, gibt es eine Dirtroad, die wir auch nutzen können. Wir fahren bis zur Rangerstation, wo wir später übernachten und laden das Gepäck ab.

Dann geht’s auf die erste Erkundungstour. Eine Klapperschlange, eine Schildkröte und einen rennenden Tapir später kehren wir um 21h ins Camp zurück und fallen nach einer Portion Pasta müde auf unserer Luftmatratzen. Die Nacht wird kurz, Nick will um 4 Uhr los, um die Chancen auf einen Jaguar zu erhöhen.

Die Morgenstimmung im Park ist wunderschön, leider lässt sich aber kein Jaguar blicken. An der kleinen Landepiste der Gascompany (und den Kokainhandel) gibt’s unter einem Baum am Rand häufig Tiere zu sehen. Wir checken die Bilder der Kamerafalle. Heute morgen war eine großes Gürteltier hier und vor 2 Tagen eine Jaguarfamilie. Aber heute ist niemand zu finden.
Nächste Chance ein kleiner Teich, an dem man in trockenen Zeiten wie jetzt, oft Tiere sehen kann. Als wir dort ankommen ist der Teich aber leider völlig ausgetrocknet. Läuft heute irgendwie nicht.

Als es zu heiß wird, machen wir Pause an einem ungenutzten Haus der Gascompany. Eigentlich ein ganz nettes Gebäude, aber total vernächlässigt und dreckig. Nick, José und die Köchin machen erst mal klar schiff, während wir draußen im Schatten chillen.

Siesta am Camp 2

Danach kann man auch das Bad benutzen und wir springen alle zur Erfrischung unter die kalte Dusche. Nick erzählt, er würde das Gebäude gerne mieten, in Stand halten und den Kram für die Touren unterstellen, aber irgendjemand hat was gegen Tourismus im Park und hat das verboten.

Um bessere Chancen für den Jaguar zu haben, beschließt er kurzerhand, dass wir hier die Nacht verbringen, statt im Camp 1. Nach dem Mittagessen verfrachten wir die Luftmatratzen in einen der Räume und starten zur nächsten Erkundungstour. Dieses Mal haben wir mehr Glück. Ralph sitzt gerade mit Nick auf dem Dach als ein Puma unseren Weg kreuzt. In der Dämmerung gar nicht so leicht zu sehen. Wir steigen alle aus uns versuchen, uns zu nähern. Für unsere Kamera ist er leider zu weit weg, aber Nicolas kann ein paar coole Fotos schießen.

Camp 2

Wir sehen noch einige Füchse und Schildkröten, dann geht’s zurück. Im Camp stoßen wir mit Bier auf unsere erste Katze an und gehen schlafen. Heute ohne Kissen und Decke, die sind im Camp 1, aber egal, es ist warm genug.

Am nächsten Morgen brechen wir um 4.30 Uhr auf und checken erst nochmal den Jaguarspot am Airstrip, aber leider kein Tier da. Danach fahren wir langsam Richtung Camp 1. Nick fährt auf dem Dach, er ist ganz wild drauf, einen Jaguar für mich zu finden. Er sieht ein kleines Gürteltier am Wegesrand langlaufen. Es quiekt ein bisschen wie ein Schweinchen. Es ist ein Kugelgürteltier, das sich bei Gefahr zusammenrollt und ist eher selten hier zu finden. Na immerhin. Kurz drauf sehe ich am Wegrand ein größeres Tier. Jose stopt und wir springen aus dem Wagen. Nick ist ganz aufgeregt vom Dach gesprungen. Er konnte uns nicht rufen, sonst wäre der große Puma, der da steht, direkt verschwunden. Langsam läuft das Tier ins Gebüsch und wir gehen vorsichtig hinterher. Er bleibt stehen und dreht sich um. Ein paar Minuten lang beobachten wir uns gegenseitig aus 10m Entfernung und man hat das Gefühl, er guckt uns direkt an. WOW! Wir sind total beeindruckt.

Auge in Auge mit einem großen Puma

Ein Jaguar lässt sich leider nicht mehr blicken. Schade! Wir sind insgesamt mehr als 300km durch den Kaa Iya NP gefahren. Leider waren die Wetterbedingungen nicht optimal, im einen Teil hat es zu viel geregnet, so dass Nick keine Spuren finden konnte, im anderen Teil hat es schon lange nicht mehr geregnet und der Teich an dem man sehr gut Tiere beobachten kann, war völlig ausgetrockent.
Auf dem Rückweg machen wir einen kurzen Stop am Valle de la Luna. Hier turnen viele Kapuzineräffchen auf einem Felsen herum und man hat eine tolle Aussicht auf die faszinierende Landschaft mit Felswänden und Dschungel.

Beim Abschied entschuldigt sich Nick mehrfach dafür, dass wir keinen Jaguar gefunden haben. Aber er hat wirklich alles gegeben und ist mit uns weiter in den Park gefahren, als normalerweise bei der Dreitagestour. Ich bin zwar etwas traurig deswegen, aber das ist halt Natur. Der Moment als wir mehrere Minuten lang den Puma vor uns hatten, war ein ganz besonderer, den wir so schnell nicht vergessen werden.
Bolivien gefällt uns sowieso so gut, dass wir sicher nochmal hierher kommen. Und Nick verspricht uns, dass wir dann nochmal alles versuchen, dass ich zu meinem Jaguar komme. Hoffentlich gibt es dann den Kaa Iya Nationalpark auch noch. Nick befürchtet, dass er irgendwann geldgierigen Politikern oder dem Sojanbau (als Tierfutter für die Massentierhaltung) zum Opfer fällt. Damit wäre der Lebensraum vieler Tiere für immer zerstört, wie in Paraquay zum Teil schon geschehen.
Falls jemand von Euch nach Bolivien kommt und Interesse hat, den Park zu besuchen und somit zu unterstützen, dass er bestehen bleibt, kontaktiert einfach Nick. Die Tour war anstrengend und recht teuer, aber ein super Erlebnis, von dem wir noch lange erzählen werden.
Am Abend essen wir im La Casona, einem deutschen Restaurant in Santa Cruz, ein Tip von Nick. Ralph freut sich über Gulasch mit Rotkraut und handgeschabten Spätzle, ich esse Obatzn. Alles sehr lecker! Am Nachbartisch isst ein Ami Kartoffelbrei mit Sauerkraut und Bratwurst. Ach, das riecht doch sehr nach Zuhause 😀

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